Tagebuch

 

An dieser Stelle möchten wir einen Einblick in die Ausbildung zum/ zur Altenpfleger*in geben. Frau Kerstin Kempermann, die Pressesprecherin für den Vorstand Diakonisches Werk Oldenburg begleitet über die Dauer von 3 Jahren unsere Auszubildende Frau Jessica Wilk und Herrn Jonas Külling von der Ev. Altenpflegeschule in Oldenburg.

Dankbarkeit ist die größte Motivation

Oldenburg/Delmenhorst, 5.10.2017 – Junge Menschen wünschen sich mehr als einen Job. Sie suchen eine sinnvolle und erfüllende Arbeit. Auch für die 20-jährige Jessica Wilk und den 19-jährige Jonas Küllig war das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, entscheidend für die Wahl der Ausbildung. Beide machen seit August eine Ausbildung in der Altenpflege.  „Die Dankbarkeit der Bewohner zu erleben, ist die größte Motivation“, schildert Wilk.

Doch noch sind es zu wenig Frauen und Männer, die sich für eine Ausbildung in der Altenpflege entscheiden. Es braucht mehr qualifizierte Pflegekräfte. In dieser Forderung sind sich in den vergangenen Wochen und Monaten alle einig. Doch wie genau läuft die Pflegeausbildung eigentlich ab? Welche Herausforderungen, aber auch welche Chancen bietet diese Berufswahl? Genau dazu wollen Wilk und Küllig in den kommenden drei Jahren einen Einblick geben. In regelmäßigen Abständen werden sie über ihre Ausbildung berichten und ganz persönlich erzählen, was sie in ihren Einrichtungen und ihren Schulen erleben und lernen.

Jessica Wilk geht in Delmenhorst auf die Berufsfachschule Altenpflege. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert die Delmenhorsterin im Wichernstift in Ganderkesee. Jonas Küllig besucht die Ev. Altenpflegeschule in Oldenburg und die Praxis erlernt er in der ambulanten Pflege der Johanniter Oldenburg. Gestartet sind die beiden in ihre Ausbildung am 15. August. Und nun steht nach dem ersten Theorieblock für beide der Gang in die Praxis an. Doch beide kennen die Einrichtung, in der sie nun ihre Ausbildung aufnehmen werden, bereits. „Ich wollte ursprünglich gar nicht in den Pflegebereich“, erzählt Wilk. Die Ausbildung zur Pflegeassistenz war für sie nur eine Möglichkeit, ihren Realschulabschluss nachzuholen. Doch während der Ausbildung, deren praktischen Teil sie im Wichernstift absolvierte, merkte die junge Frau schnell: „Hier bin ich richtig.“ Vom Team über die Arbeit bis zum Kontakt mit den Bewohnern passte einfach alles. „Ich hatte keine Hemmschwelle beim Waschen und anderen pflegerischen Tätigkeiten“, erzählt sie weiter.  Und die Bestätigung der erfahrenen Pflegekräfte zeigte ihr: „Hier kann meine berufliche Zukunft liegen.“ Deshalb entschloss sie sich anschließend zu einer Ausbildung als Altenpflegerin und bekam auch einen Ausbildungsplatz in der Einrichtung. Denn die Altenpflegeausbildung findet immer in Kombination in einer Einrichtung und einer Altenpflegeschule statt.

Auch Jonas Küllig kam über Umwege in die Altenpflegeausbildung. „Ich schwankte noch zwischen den Möglichkeiten eine Ausbildung zu machen oder doch mein Abitur. Deshalb habe ich mich zunächst für einen Bundesfreiwilligendienst entschieden.“ Diesen leistete er bei den Johannitern in Oldenburg in verschiedenen Bereichen. „In der Pflege hat es mir von Anfang an gefallen. Die dankbaren Gesichter zu sehen, hat mich jeden Tag aufs Neue motiviert.“ Deshalb ist es für den 19-Jährigen auch kein Problem, dass zu seinem Berufswunsch Feiertags- und Wochenendarbeit dazugehören.

Und die Verantwortung für die Menschen und die damit verbundenen Herausforderungen in ihrem Beruf sehen Küllig und Wilk beide als positive Seite. „Ich freue mich darauf, in der Ausbildung mehr über die verschiedenen Krankheitsbilder und die richtige Pflege zu lernen“, betont Wilk. Für Küllig bedeutet die Ausbildung nach dem Bundesfreiwilligendienst vor allem die Chance, noch viel mehr Sicherheit für sein Tun zu bekommen. Dass das in den theoretischen Blöcken ein großes Pensum bedeutet, haben beide schon erlebt. Obwohl sie mit Vorkenntnissen in die Ausbildung gestartet sind, wissen beide, ohne konsequentes Lernen geht es nicht. Denn nur, wenn sie in der Schule gut aufpassen, können sie nachher richtig pflegen. Für den Kontakt zu den Klienten setzen beide auf Empathie. „Pflege ist Kommunikation“, betont Wilk. Und Küllig ergänzt: „Die beste Art, mit Menschen zu kommunizieren, ist, auf sie zu zugehen.“

Der Start in die Ausbildung ist beiden bereits geglückt. Welche Erfahrungen sie in den nächsten drei Jahren machen, werden wir weiterhin berichten.

 

In der Praxis zählt Einfühlungsvermögen

Oldenburg/Delmenhorst, 29.11.2017 –  Frühschicht. Zehn vor sechs geht es los. Erst die Tour anschauen und dann das Auto packen. Dann ist Altenpflegeschüler Jonas  Küllig bereit, auf seine morgendliche Pflegerunde zu starten. Seit August absolviert er die Ausbildung zum Altenpfleger an der ev. Altenpflegeschule in Oldenburg und gibt regelmäßig Einblick in seine Ausbildung. Derzeit ist er in der Praxis. Die praktische Ausbildung findet für Küllig bei den Johannitern in Oldenburg statt.

Nur wenig später – um 6.15 Uhr – startet auch Jessica Wilk in ihren Dienst im Wichernstift in Ganderkesee. Dort absolviert die Delmenhorsterin, die die Altenpflegeschule in Delmenhorst besucht, ihren praktischen Teil der Ausbildung auf einer Station für Demenzerkrankte. Ihr Tag beginnt mit der Übergabe von der Nachtschicht. Anschließend geht es direkt in die Pflege. Aufstehen helfen, duschen, waschen, anziehen, Zähne putzen, kämmen und frisieren, das sind die typischen Aufgaben in der Frühschicht. „Bei Bettlägerigen Klienten ist die Arbeit natürlich intensiver“, erzählt Küllig. Und er gibt zu: „Die Arbeit in der Pflege kostet viel Kraft.“ Nur um gleich zu ergänzen: „Es macht aber auch viel Spaß.“ Denn während der Pflege bleibt immer Zeit für kurze Gespräche mit den Klienten.

Diese Gespräche schätzt auch Wilk sehr. „Gerade, wenn es einem der Bewohner nicht so gut geht, versuche ich mir Zeit zu nehmen“, erzählt sie. Überhaupt ist es ihr sehr wichtig, jeden Bewohner ganz individuell zu sehen. „Jeder Bewohner braucht eine andere Pflege. Das haben wir schon in der Schule gelernt. Und auch mein Anleiter sagt mir das immer wieder.“ Das könne sich an ganz kleinen Dingen festmachen, erzählt Wilk. Einer Bewohnerin ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass ihre Haare morgens schön frisiert sind.

Doch egal wie gut die Chemie zwischen Klient und Pfleger stimmt. „Das Verhältnis muss immer professionell bleiben“, betont Kuellig. Dazu gehört für ihn  auch absolute Ehrlichkeit. „Auch wenn es dem Klienten vielleicht nicht gefällt, wenn Tabletten nicht regelmäßig genug genommen werden, dann muss ich das klar und deutlich ansprechen. Es geht schließlich um die Gesundheit.“

Wilk und Küllig übernehmen beide schon Verantwortung. Küllig fährt mittlerweile schon alleine auf Touren. „Ich lerne die neuen Klienten aber immer gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen kennen. Und wenn ich mir unsicher bin, kann ich immer meinen Anleiter oder Kollegen um Rat fragen“, erzählt er. Auch Wilk, die in der Pflege ebenfalls schon allein unterwegs ist, kann jederzeit ihren Anleiter um Unterstützung bitten. Und beide wissen, in den nächsten Jahren werden sie noch mehr Neues lernen und noch mehr Verantwortung übernehmen.

„Die Tage in der Pflege sind anstrengend. Manchmal ist man danach einfach nur erledigt.“ Dass erzählen sowohl Wilk als auch Küllig. Doch kein Tag ist wie der andere und die Menschen, mit denen sie jeden Tag zu tun haben sind jeder für sich besonders. „Das macht diesen Beruf so schön.“ Dennoch sei es eine Herausforderung, sich auf jeden Klienten neu einzustellen, erzählt Küllig. Demenz, Parkinson oder MS, die Gründe für die Pflegenotwendigkeit sind unterschiedlich. „Mir ist es wichtig, immer einen Weg zu den Menschen zu finden. Das ist manchmal einfach. Manchmal braucht es auch Tipps von Kollegen, die denjenigen und seine Bedürfnisse schon länger kennen“, berichtet Küllig. Wilk erlebt bei ihrer Arbeit auf der Demenzstation, wie wichtig Geduld und Einfühlungsvermögen sind. Das Lächeln der Patienten ist ihr dann eigentlich Dank genug.

Jessica Wilk und ihr Praxisanleiter Hanno Tews

An sich denken, um an andere zu denken

Ganderkesee/ Delmenhorst, Februar 2018 – Die Kraft, andere zu pflegen, hat man nur, wenn man auch sich selbst pflegt. Davon ist Jutta Lippok, die Leiterin der Berufsfachschule Altenpflege Delmenhorst, überzeugt. Wie sich dieses Credo in den Alltag umsetzen lässt und wie junge Auszubildende ticken, geht aus einer Pressemitteilung des Diakonischen Werks zu einem Seminar der Berufsfachschule hervor. Getreu Lippoks Grundsatz ging es bei dem Kurs mit Schülern im ersten Ausbildungsjahr um das eigene Wohlfühlen sowie den Umgang mit Stress, Ängsten und Trauer. Unter anderem entspannten sich die Teilnehmer bei gegenseitigen Handmassagen. „Die lassen sich ja auch gut in den Pflegealltag integrieren“, so die  Auszubildende  Jessica Wilk, die beim Wichernstift in Ganderkesee arbeitet. Neben der Selbstreflexion ging es auch sehr stark um Kommunikation und die Wahrnehmung der Situation der Bewohner. „Wir mussten nur zehn Minuten bewegungslos im Bett liegen, und das kam uns schon lange vor. Unsere Patienten liegen manchmal deutlich länger, deshalb ist die richtige Lagerung so entscheidend. Das hat mir noch mal verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich in die Situation der Bewohner hinein zu versetzen“, schildert die 20-Jährige ihre Eindrücke. „Maßgeblich ist es auch, die Gefühle widerzuspiegeln“, weiß die junge Auszubildende. Sie müsse die Trauer, Angst oder Wut der Senioren ernst nehmen, weil diese Gefühle sehr real seien. Und das trotz des engen Zeitplans, den auch die Nachwuchskräfte während ihrer Praxiszeiten spüren. Der Personalmangel ist überall Thema. „Ich würde mir oft gerne noch mehr Zeit lassen. Aber das geht nicht immer“, meint Wilk. Und so lernen schon die Auszubildenden, abzuwägen, was möglich ist und was nicht. Lippok findet es toll, „dass unsere Schüler*in Strategien finden, Anspruch und Bedingungen zusammen zu bringen“. Es sei wichtig, in der Ausbildung auch die eigenen Grenzen kennen zu lernen und klar zu sagen: „Das schaffe ich, aber noch mehrschaffe ich nicht.“ Entscheidend bleibe es, sich immer wieder in die Situation der Bewohner hinein zu versetzen. Der Einzug ins Pflegeheim, das Gefühl der Ohnmacht oder die schwindenden Fähigkeiten: „Für die Bewohner sind das existenzielle Erfahrungen, auf die die Pfleger*innen immer wieder intensiv eingehen müssen. “Die Auszubildenden würden mit Enthusiasmus in die Pflege gehen, aber ohne den Blick vor der Realität zu verschließen, meint die Leiterin der Berufsfachschule. Sie hofft, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege auf Dauer verbessern, damit der Wunsch nach mehr Zeit auch erfüllt werden kann.

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